Klettern am Boren (Cz)
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Der Bořeň (dt. Borschen) bei Bilina in Tschechien ist ein 539 m hoher Vulkankegel im Nordböhmischen Becken, der sich markant und steil aus der ihn umgebenden Landschaft abhebt. Seine Schönheit und geologische Besonderheit steht in krassem Widerspruch zu der angrenzenden Industrie- und Braunkohleregion um Teplitz und Most. Man hat von seinem Gipfel einen beeindruckenden Rundblick zum Erzgebirgskamm und ins böhmische Mittelgebirge, den sowohl Alexander von Humboldt in seinen Tagebüchern, als auch J.W.v. Goethe in Skizzen festhielten. Der Bořeň besteht aus durch Vulkantätigkeit im Tertiär erodierten schwarzem Klingstein (Phonolith) und stellt damit den größten europäischen Klingstein Monolithen dar. Die Tschechen vergleichen ihren Bořeň gern mit dem amerikanischen Devil Tower.

Kurzfilm auf youtube

 

Klettern am Bořeň

Der Bořeň wurde ca. 1908 von Kletterern der Sektionen Teplitz und Saaz erstmalig bestiegen. Hervorzuheben ist die Tätigkeit vom „Borschenonkel“ R. L. Scharf, der die 1925 eingeweihte Borschenhütte bewohnte und sich mit der Erschließung des Berges für Wanderer und Kletterer verdient machte. Die erste Haupterschließungswelle erfolgte in den 30igern und 40igern, ab den 50igern dann hauptsächlich von tschechischen Bergsteigern. Während ältere Wege durch Risse, Kamine und Verschneidungen führen, sind in den letzten Jahren neue lohnende Wandkletterrouten entstanden und ehemalige Wege mit technischen Hilfsmitteln wurden AF oder RP überstiegen. Im Südteil des Bořeňmassives befinden sich sehr lohnende Einseillängenwege und im Nordteil z.T. 100m lange und schwere Touren mit alpinem Charakter. Eine Ausnahme zur vorherrschenden Massivkletterei bilden die beiden freistehenden Türme Ďáblova kazatelna (dt. Teufelskanzel) und Skautská Véž (dt. Pfadfinder- oder Mittagsturm). Der einzige Kletterführer auf Deutsch ist ein 1988 erschienenes Heft des DWBO der DDR.

Ich beschränke mich in meinem Topokletterführer nur auf die Südwand des Berges Bořeň, da diese landschaftlich äußerst reizvoll und klettertechnisch ausreichend abgesichert ist. Der Fels trocknet nach Regen schnell wieder ab und unterliegt nicht wie die Nordseite zeitlicher Sperrungen. Die Südwand besteht aus Rissen und Verschneidungen im 2.- 5. Grad (UIAA) und kompakten festen Wänden, Platten und Pfeilern im 5.- 6. Grad. Wege ab 7. Grad sind nur vereinzelt zu finden. Die meisten Touren in der Südwand sind ab dem 5. Grad ausreichend mit Ringen, Bohrhaken und nur vereinzelt mit alten Fichtelhaken abgesichert. Die zusätzliche Verwendung von eigenen Sicherungsmitteln (Klemmkeile, Friends, Schlingen) sollte man beherrschen. Das Verwenden von Magnesia ist gestattet, sollte aber mit Bedacht geschehen, da die meisten Schwierigkeiten auch ohne bewältigt werden können. Alle Ausstiege sind mit Abseilmöglichkeiten versehen. Zum Teil locken Gipfelbücher an den Ausstiegen.

Es gibt eine umfangreiche Beschreibung des gesamten Klettergebietes (Skizzen, Erstbegeher, Wegbeschreibung) auf Tschechisch.

 

Naturschutz

Der Bořeň bietet einen speziellen subalpinen Lebensraum für eine ganze Reihe seltener Pflanzen wie Lebermoos, Küchenschelle, violette Königskerze, Prachtnelke, Seidelbast und seltener Vögeln wie Uhu, Mauerläufer, Pirol, Wiedehopf und Sperber. Von 1928-34 existierte ein alpiner Borschengarten, in dem aus den Alpen eingeführte Pflanzen gezogen wurden. In einer Höhle am Überfallpfeiler soll, so die Sage, die heilkundige Borschenhexe Bilana gelebt haben. Ein 24 ha großes Gebiet um den Bořeň wurde 1977 zum Naturschutzgebiet erklärt, d.h. insbesondere kein Lärm machen, keine Pflanzen beschädigen, nur markierte Wege benutzen, kein Feuer in den Felsen, keinen Müll liegen lassen.

Im Ostteil und Abschnitten des Nordteils sind Klettern und Eintritt ganzjährig verboten, in Abschnitten des Westteils und Nordteils sind Klettern und Eintritt in der Zeit vom 01.02. bis 31.08. verboten.

Am Fuße der Südseite wurde ein 2000 Jahre altes Gräberfeld der Hallstatt Kultur gefunden. In der unmittelbaren Nähe in Bilina-Kyselka (dt. Bad Sauerbrunn) befindet sich eine alkalische Heilquelle mit einem sehenswerten mondänen Kurbad, ebenso sehenswert ist das Schloss und die Altstadt Bilina.

Anfahrt

Es führt ein grün markierter Wanderweg von der Stadt Bilina um und auf den Bořeň, der mit beschrifteten Hinweistafeln (leider nur auf Tschechisch) versehen ist.

Von Dresden fährt man mit dem Auto etwa 85 km (ca.1h) über die A17/ A8/ E13 nach Bilina. Ebenso kann man mit dem Zug in 2,5h von Dresden über Usti nach Bilina-Kyselka anreisen.

Vom Ortsausgang Bilina fährt man 2,5 km weiter die E13 Richtung Most, bei der ersten Abfahrt Libéšice wenden, ca. 1 km zurück und bei der Parkspur rechts 800m hoch an der Chatá pod Bořeňem (Borschenhütte) parken. Zustieg dann nach rechts ca. 1 km über den grünen Wanderweg zur Bořeň-Südwand.

Eine andere Möglichkeit ist die Abfahrt Libéšice links die Dorfstraße weiter und 3 km nach dem Dorf Chouč links Richtung Hrobčice fahren. Vor dem Dorf links auf einem Feldweg mit Funkturm parken und ca.1,5 km Feldweg zur Südwand laufen.

Übernachtung

Das „Autokempink Bilina Kyselka“ (Autocamping mit Hütten und Freibad), Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und eine Poliklinik gibt es in Bilina. Die nahe Chatá pod Bořeňem (Borschenhütte) ist leider momentan geschlossen, es gibt aber Hotels und Pensionen in der Nähe. Das Zelten auf einer Wiese unterhalb der Südwand (Biwakplatz) wird momentan toleriert. Etwa 150 Meter unterhalb des Zeltplatzes befindet sich eine Quelle in einem unterirdischen Wasserbau.

Infos und Anregungen unter: christianziegs@gmx.de

 

Viel Spaß beim Klettern am Borschen/ Bořeň

 

Berg Heil/ Horé zdař 2018                                                                                                      Impressum


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